11.4.2018 Gastvortrag Dr. Ole Wittmann: Zur Unschärfe von Tattoos, Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum, 17.00Uhr

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Im Rahmen der Tagung: TATTOO Kunstgeschichte unter der Haut. Bedeutungswandel, Medium und kulturelle Praxis 11. April 2018, Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum, 13.30 – 18.00 Uhr

2018-03-22
Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich das Image des Tattoos stark gewandelt. Tätowierungen werden nicht nur mit Subkulturen und kriminellen Milieus konnotiert, sondern scheinen genauso mit Celebrity Culture, bürgerlichen Lebensentwürfen sowie der Kunst vereinbar. Statt Hafenkneipe oder Gefängnis ist mittlerweile auch die Universität ein Ort der Konfrontation, aber auch Auseinandersetzung mit Tattoos. Am 11. April 2018 laden die Studierenden des Kunstgeschichtlichen Instituts der Ruhr-Universität Bochum zu ihrer Tagung in die Kunstsammlungen auf den universitären Campus ein. Ab 13.30 Uhr werden Masterstudierende der Kunstgeschichte in Vorträgen und wissenschaftlichen Postern die Tätowierung in Hinblick auf ihren Bedeutungswandel, die kulturelle Praxis sowie ihre medialen Charakteristika gemeinsam mit dem Publikum diskutieren. Ab 17.00Uhr wird der Kunsthistoriker Dr. Ole Wittmann (Autor von „Tattoos in der Kunst“) über die „Unschärfe von Tattoos“ sprechen. Alle, die an dem Thema interessiert sind und sich darüber in einem geisteswissenschaftlichen Kontext austauschen möchten, sind herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Das Themenspektrum der Tagung widmet sich dem Doppelcharakter der Tätowierung zwischen Freiheit und Zwang. Das Tattoo kann Mittel des persönlichen Ausdrucks sein, eine Verschönerung des eigenen Körpers darstellen und öffentliches, gesellschaftspolitisches Statement. Zugleich kann in Tätowierungen aber auch deren Zwangscharakter aufscheinen, denn die Kennzeichnung beruhte nicht immer auf Freiwilligkeit, wie man an der historischen Kennzeichnung von Sklaven oder Gefangenen sehen konnte. Die Beiträge der Tagung widmen sich der Auseinandersetzung mit diesem ambivalenten Charakter des Tattoos in der Kunst sowie in unterschiedlichen (sub)kulturellen Milieus.
Auch eine weitere Ambivalenz, diejenige zwischen Stigma und Auszeichnung, wird in den Präsentationen thematisiert, etwa in Hinblick auf die diversen indigenen Ursprünge von Tätowierungen, deren globaler Verbreitung sowie die mit dem Medium untrennbar verbundenen Exotismen. Der kulturelle Wandel in Hinblick auf Akzeptanz und Umgang mit Tattoos in der Öffentlichkeit zeigt sich dabei unter anderem in historischen Rückblicken zu den Freak Shows des 19. Jahrhunderts, in denen auch tätowierte Personen ausgestellt wurden, beziehungsweise in Ausblicken in die Gegenwart: Waren Tätowierungen in Spielfilmen lange Zeit den Bösewichten vorbehalten, vollzieht sich auch hier ein Wandel, wenn beispielsweise aktuell in Disneys „Vaiana“ Tattoos sichtbar dargestellt werden.
Die Veranstaltung wird gefördert durch die Gesellschaft der Freunde der Ruhr-Universität Bochum.
Weitere Informationen unter https://www.facebook.com/events/163527660938876/