Call for Paper Zwischen Fließband und Küche. Fotografien von (Care-)Arbeit in DDR und BRD 1960 bis 1990, Workshop, Berlin, 24. und 25.11.2022

01055

2022-04-25
Call for Paper
Workshop im Museum für Fotografie, Berlin, 24. und 25. November 2022
Ruhr Universität Bochum in Kooperation mit der Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin
Konzeption und Organisation:
Friederike Sigler, Ludger Derenthal, Änne Söll und Tonia Andresen

Zwischen Fließband und Küche
Fotografien von (Care-)Arbeit in DDR und BRD 1960 bis 1990
Die Arbeiterinnenporträts von Evelyn Richter und Helga Paris zählen heute zu den
bekanntesten Bildnissen von Frauen in der DDR. Im Vergleich zu den heroischen Bildern
von Arbeit, die der Sozialistische Realismus verlangte, wirken viele der fotografierten Frauen jedoch weder eifrig noch begeistert, sondern eher erschöpft. Die zeitgenössische osteuropäische Geschlechterforschung hat nachgewiesen, dass viele Frauen im Realsozialismus trotz emanzipatorischer Geschlechterrollen und verstaatlichter Fürsorgepflichten weiterhin Care-Arbeit leisteten. Deshalb stellt sich die Frage: Ist die in den Fotografien eingefangene Erschöpfung der arbeitenden Frauen Ausdruck der Belastung, die mit der schweren Arbeit einhergeht oder auf die Reproduktionsarbeit zurückzuführen, die vor und nach der Arbeitsschicht geleistet wird? Handelt es sich bei den „antiheroische[n] Arbeiterinnenporträts“ (Angelika Richter 2019) deshalb um Formate, mit denen die doppelte Arbeit von Frauen ins Bild gesetzt wird?
Der zweitägige Workshop untersucht Fotografien und fotografische Praktiken, die in DDR und BRD zwischen 1960 und 1990 die Doppelrolle beziehungsweise doppelte Arbeit von Frauen zwischen Fließband und Küche thematisieren. Diskutiert werden soll, wie die doppelte Arbeit gezeigt wird, welchen Aufschluss das Format über die gesellschaftliche Stellung der jeweiligen Arbeit zulässt, ob dabei eine feministische Kritik formuliert wird, aber auch, in oder für welchen Kontext die Fotografien entstanden (zum Beispiel für Fotobücher, Ausstellungen oder in Zeitschriften, wie Sonntag und Sibylle) und wo sie gezeigt wurden.
Nachwuchsforscher*innen und Forscher*innen sind eingeladen, sich bis
zum 15. Mai 2022 per E-Mail [Marius Hoffmann: Marius.Hoffmann-r8u@ruhr-uni-bochum.de] mit einem einseitigen Abstract und mit einem kurzen CV für einen Vortrag zu bewerben. Vorgesehen sind Vorträge à 20 Minuten plus Diskussion.
Der Workshop ist eine Kooperation des DFG-Projekts „Putzen, Kochen, Sorgen. Care-Arbeit in der Kunst in West- und Osteuropa, den USA und Lateinamerika seit 1960“ und der Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin.

angezeigt bis: 2022-11-26