Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2018/19

Veranstaltungsnr.: 040603 (Ringvorlesung)

Vom Religionsersatz zur Weltsprache – Konzepte ästhetischer Sinnstiftung in der künstlerischen Moderne

Dozent/in:
Jun.-Prof. Dr. Stephanie Marchal
Andreas Degner M.A.

Zeit:
Mi. 16-18
Raum/Ort:
HGA 30
Beginn:
17.10.2018
Workload:
60 h
Kreditpunkte:
2 CP

Inhalte:
Religion und Metaphysik verschwinden in neuen Werten und Wissenschaften. Die Kunst ist unersetzlich, weil kein Wissen und keine Werte daneben sind, die sie aufzunehmen vermögen.“ Mit diesen emphatischen Worten aus dem Vorwort seiner Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst hielt der renommierte Kunstschriftteller Julius Meier-Graefe im Jahr 1904 seine Überzeugung fest, dass der Kunst seiner Gegenwart ebenso viel Potential kollektiver Sinnstiftung eigen sei wie einstmals der Religion. Diese Ansicht kann mit Blick auf das Milieu der Intellektuellen und Künstler der vorletzten Jahrhundertwende durchaus als Gemeinplatz bezeichnet werden. Ganz ähnlich urteilten etwa – um nur einige der heute gut erforschten Protagonisten zu nennen – der Dichter Hugo von Hofmannsthal oder der Kunstförderer und Initiator des Deutschen Künstlerbundes Harry Graf Kessler. Auch wenn der Verbindlichkeitsverlust der Religion im Zeitalter der Moderne zweifellos nicht allein vermittels Kunst und Kunstkritik kompensiert zu werden versuchte, so galt die künstlerische Weltaneignung bis weit in das zwanzigste Jahrhundert doch als zentrale Instanz der Sinnstiftung, wofür der Streit um Abstraktion und Figuration nach dem Zweiten Weltkrieg oder die sozialreformerischen Ansätze eines Joseph Beuys nur beispielhaft angeführt seien.
In der interdisziplinär angelegten Ringvorlesung Vom Religionsersatz zur Weltsprache – Konzepte ästhetischer Sinnstiftung in der künstlerischen Moderne soll schlaglichtartig beleuchtet werden, wie sich künstlerische, wissenschaftliche und nicht selten auch esoterische Weltdeutung im zwanzigsten Jahrhundert überlagerten. Dabei gilt es, die Schnittstellen zwischen den bildkünstlerischen und literarischen sowie kulturphilosophischen und theologischen Konzepten der ästhetischen Weltaneignung aufzuzeigen und den diskursgeschichtlichen Ort der Ästhetik im Feld der Kulturkritik des zwanzigsten Jahrhunderts zu kennzeichnen. Der Themenkomplex ästhetischer Sinnstiftung in der Moderne soll innerhalb dieses Fragehorizontes aus kunst- und literaturwissenschaftlicher ebenso wie kulturwissenschaftlicher und philosophischer Perspektive erschlossen und im Zuge dessen auch die durchaus vorliegende, breite Forschung diskutiert und fächerübergreifend verknüpft werden.


Sitzungstermine / Programmablauf

17.10.2018
Einführung und Vorstellung des Ringvorlesungskonzeptes:
Stephanie Marchal und Andreas Degner (Kunstgeschichte RUB)

Prof. Dr. Volker Krech (Center for Religious Studies, RUB):
„Beobachtungen zu Sakralisierungsprozessen in der Moderne – mit einem Seitenblick auf Kunstreligion“

24.10.
Daniel Schinzig M.A. (Theaterwissenschaften, RUB)
Sternenkriege und Machtringe: Mythologische Elemente in zeitgenössischen Fantasyfilmen

31.10.
Andreas Degner M.A. (Kunstgeschichte, RUB)
Die rationalitätskritischen Tendenzen in Wilhelm Hausensteins Buch "Kairuan oder eine Geschichte vom Maler Klee und von der Kunst dieses Zeitalters" (1921)

7.11.
Prof. Dr. Monika Schmitz-Emans (Allg. und Vergleichende Literaturwissenschaft, RUB)
In den Spuren der Transzendentalisten: Keri Smith und die "Wander Society" zwischen Walt Whitman und Fluxus

14.11.
Dr. Johannes-Georg Schülein (Philosophie, RUB):
"Die ästhetische Rechtfertigung der Welt: Zur Vor- und Nachgeschichte einer Idee Nietzsches"

21.11.
Prof. Dr. Guido Hiß (Theaterwissenschaft Bochum)
"Das Gesamtkunstwerk und die Tradition der neuen Mythologie."

28.11.
Dr. Björn Spiekermann (Germanistik Universität Heidelberg)
‚Erlösungen'. Zum utopisch-sakralen Gehalt des literarischen Jugendstils

5.12.
Dr. Marie Guthmüller (HU-Berlin, Universität Tübingen):
La science de l'art: Ansätze zu einer empirischen Ästhetik in Frankreich zwischen 1857 und 1910

12.12.
Prof. Dr. Alexandre Kostka (Universität Straßburg)
„Harry Graf Kessler "Kunst und Religion" (1899)“
19.12.

Jun.-Prof. Dr. Stephanie Marchal (Kunstgeschichte, Bochum)
Die Kunst denken: Vom Religionsersatz zur Weltsprache

9.1.2019
Dr. Maria Männig (Merz Akademie Stuttgart)
Kippfiguren: Hans Sedlmayrs Argumente zwischen Avantgarde und
Reaktion

16.1.
Jun.-Prof. Dr. Amalia Barboza (Kunstwissenschaften, Univ. Saarland)
Die Transzendierung des Ichs: religiöse Erfahrungen durch künstlerische Praxis in der zeitgenössischen Kunst

23.1.
Prof. Dr. Peter Ulrich Hein (Kunstpädagogik Univ. Duisburg)
Spuren der protestantischen Ethik im Kunstsystem der Moderne.

30.1.
Resümee: Stephanie Marchal und Andreas Degner
Klausur / Prüfung
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. August (ab 12 Uhr) bis zum 21. Oktober (bis 12 Uhr) über CAMPUS. Danach sind An- und Abmeldungen nicht mehr möglich.