Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2019/20

Veranstaltungsnr.: 040628 (Grundseminar)

Brunnen, Kaskaden, Fontänen: frühneuzeitliche Wasserkünste

Dozent/in:
Prof. Dr. Cornelia Jöchner

Zeit:
Mo. 16-18
Raum/Ort:
GA 6/62
Beginn:
14.10.2019
Workload:
60 h oder 240 h
Kreditpunkte:
2 oder 8 CP

Inhalte:
Wasser ist das Gegenteil von Architektur – und aus eben diesem Grund brachte die Frühe Neuzeit die beiden Materialien gestalterisch zusammen: „Eine Barock-Villa ohne Wasser ist kaum denkbar. Das Wasser ist das Lieblingselement des Jahrhunderts“, beobachtete Heinrich Wölfflin in seinem Grundlagenwerk „Renaissance und Barock“ (1888. Es war gerade die flüssige Konsistenz, die Bewegtheit und Transparenz sowie die Fähigkeit zur Spiegelung, die das Medium Wasser für Künstler und Architekten interessant machte. Sie profitierten dabei von einem immer größer werdenden technischen Wissen, das die physikalischen Kräfte und Eigenschaften des Wassers untersuchte, vor allem aber mit diesen experimentierte: Insbesondere die Möglichkeiten des künstlich erzeugten Druck des Wassers durch hydraulische Maschinen brachten eine eigene Gattung von Wasserkünsten hervor, die sich im 16. und 17. Jahrhundert beständig weiterentwickelten. Solche Wassermaschinen involvierten Betrachterinnen und Betrachter, indem diese durch eigene Bewegungen Wasserstrahlen auslösten.
Die Ausrichtung auf eine Rezeption bedeutete eine Theatralisierung, die das Wasser in der Renaissance und im Barock zu einem der stärksten künstlerischen Medien machte. Es zeigte sich vor allem in drei baulichen Kontexten: 1. bei Brunnen innerhalb der Städte, 2. bei Grotten in Villen, Palästen und Schlossanlagen, 3. vor allem in dem sich entwickelnden architektonischen Garten. Der Garten variierte nicht nur die beiden ersteren Objekte, sondern dort entstanden zahlreiche neue Formationen wie die von Skulpturen besetzten Bassins, ganze Wasserstraßen, hoch aufschießende Fontänen, aus Pflanzen gebaute „Wassertheater“ sowie Wasserparterres, in denen sich die Gebäude absichtsvoll spiegelten. Nicht von ungefähr beschrieb Dézallier d’Argenville in seinem Gartentraktat (1709/31) die Wasserkünste als das eigentliche Medium des Gartens: „Die Spring=Brunnen und Wasser sind gleichsam die Seele der Gärten und ihre vornehmste Zierde“.
Das Seminar nimmt sich anhand der drei baulichen Gruppen – Brunnen, Grotten und Gärten – systematisch diejenigen Objekte vor, bei denen mit Wasser künstlerisch gearbeitet wurde. Dabei geht es sowohl um die konkreten baulichen Anlagen als auch um die gestalterischen Formationen, in die das Wasser gebracht wurde. Einbezogen werden die Mythologie und unterschiedliche symbolische Felder, auf die das Wasser anspielte. Ein weiterer Fokus liegt auf den verwendeten Materialien, die beispielsweise die Natur als Künstler (natura artifex) thematisierten. Das Grundseminar erschließt damit entscheidende künstlerische Bereiche der Frühen Neuzeit.
Teilnahmevoraussetzungen: Regelmäßige und aktive Teilnahme, Übernahme eines Referats. Die Vergabe der Referatsthemen erfolgt in der ersten Sitzung. Die aktive Teilnahme an den einführenden Seminarterminen ist obligatorisch.
Einführende Literatur:
Blair, Sheila; Bloom, Jonathan (Hg.): Rivers of Paradise. Water in Islamic Art and Culture, New Haven u. a. 2009
Böhme, Hartmut (Hg.): Kulturgeschichte des Wassers, Frankfurt a. M. 1988
Wasser, hg. von der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2000 (Schriftenreihe Forum 9 / Schriftenreihe Forum. Elemente des Naturhaushalts 1)

Ausgewählte Spezialliteratur:
Caus, Salomon de: Von gewaltsamen Bewegungen (…), Hannover 1977 [Nachdruck d. Ausgabe Frankfurt 1615]
Ditsche, Alexander: Klingende Wasser. Hydropneumatische Musik- und Geräuschautomaten in der europäischen Gartenkunst, Berlin / München 2017
D’Onofrio, Cesare: Le fontane di Roma, 3., durchges. und erw. Aufl., Rom 1986
Hanke, Stephanie: Zwischen Fels und Wasser. Grottenanlagen des 16. und 17. Jahrhunderts in Genua, Münster 2008
Jöchner, Cornelia: Die ‚schöne Ordnung‘ und der Hof. Gartenkunst an deutschen Höfen um 1700, Weimar 2001
Lauterbach, Iris: Die Seele der Gärten und ihre vornehmste Zierde: Wasser in der Gartenkunst des Barock,in: Hortus ex machina. Arbeitshefte der Denkmalpflege Hessen 16, 2010, S. 97-106
Lazardzig, Jan: Die Maschine als Spektakel. Funktion und Admiration im Maschinendenken des 17. Jahrhunderts, in: Instrumente in Kultur und Wissenschaft. Zur Architektonik kultureller Grenzen im 17. Jahrhundert, hgg. von Helmar Schramm, Ludger Schwarte, Jan Lazardzig, Berlin / New York 2008, S. 167-193
Rinne, Katherine Wentworth: The waters of Rome. Aqueducts, fountains, and the birth of the baroque city, New Haven u. a. 2010
Schwarzkopf, Johannes: Technik und Garten. Ansätze zu einer technik-historischen Aufarbeitung der Gartengeschichte, in: Gartenkunst in Deutschland. Von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Regensburg 2012, S. 509-521
Volkmann, Hans: Die künstlerische Verwendung des Wassers im Städtebau, Berlin 1911
Weber, Gerold: Brunnen und Wasserkünste in Frankreich im Zeitalter von Louis XIV. Mit einem typengeschichtlichen Überblick über die französischen Gärten ab 1500, Worms 1985
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. August (ab 12 Uhr) bis zum 18. Oktober (bis 12 Uhr) über CAMPUS. Danach sind An- und Abmeldungen nicht mehr möglich.

Die versierte, eigenständige Nutzung wissenschaftlicher Diskursformen in Wort und Schrift (Produktion und Rezeption) wird stets optimiert und in der Gruppe reflektiert. Die kommunikativen Fähigkeiten werden zudem durch eine vor Originalen geschulte Wahrnehmung auf fortgeschrittenem Niveau ausgebaut. Wissens- und Kompetenzerwerb und die damit einhergehende Kreditierung setzt daher die kontinuierliche aktive Teilnahme am dialogischen Austausch im Plenum voraus.

Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit "nicht ausreichend" bewertet. In CAMPUS erfolgt der Eintrag "nicht bestanden". Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.