Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2019/20

Veranstaltungsnr.: 040640 (Hauptseminar B.A. / M.A.)

Gegenreformatorische Ordensbauten als soziale Räume

Dozent/in:
Prof. Dr. Cornelia Jöchner

Zeit:
Di. 10-12
Raum/Ort:
GA 6/62
Beginn:
15.10.2019
Workload:
60 h, 120 h, 240 h oder 300 h
Kreditpunkte:
2, 4, 8 oder 10 CP

Inhalte:
Frühneuzeitliche Ordenskirchen und die dazugehörigen, teilweise umfangreichen Bauten waren in hohem Maße soziale Räume, die einerseits von den Regeln der Orden bestimmt waren, andererseits als ‚Betrieb‘ funktionieren mussten und sich drittens in der jeweiligen Stadt zu etablieren hatten. Diese Anforderungen nimmt sich das Seminar vor, das danach fragt, wie die Architektur hier besondere soziale Räume schuf.
Denn die Bautätigkeit neuer kirchlicher Orden, die sich in Reaktion auf die lutherische Reformation gründeten, prägte die frühneuzeitliche Sakralarchitektur entscheidend. Neben dem 1534 eingesetzten, äußerst einflussreichen Jesuitenorden (Societas Jesu) traten insbesondere die Kongregationen der Theatiner, Piaristen und Barnabiten als neue Auftraggeber in Erscheinung. Sie veränderten durch neue pastorale und liturgische Anforderungen den Kircheninnenraum, der einerseits das Zusammenkommen der Mitglieder des Ordens im Gottesdienst ermöglichen musste, andererseits den Laien über neue sinnliche Strategien zu erreichen suchte. Die neuen Orden veränderten aber auch den städtischen Außenraum, da sie sich gegen die Konkurrenz bestehender oder neuer Sakralarchitekturen zu behaupten hatten. Nicht zuletzt diese Konkurrenz führte zu umfangreichen Bauprojekten an Hauptorten des katholischen Glaubens: Städte wie Rom, Neapel, Wien, München oder Köln waren geprägt durch die Architektur der neuen Orden, ebenso die katholischen Länder wie Flandern, Spanien und Portugal sowie die Kolonien der Neuen Welt.
Dementsprechend beschäftigt sich das Seminar nicht nur mit den Kircheninnenräumen, sondern ebenso mit der Außenwirkung der Bauten sowie den jeweiligen stadträumlichen Bedingungen der Klosterkomplexe. Wichtige Fragen sind etwa: Wie präsentierte sich ein neuer Orden in der Stadt? Vertrat er eine architektonische „corporate identity“ oder passte er sich anderen Sakralbauten an? Wer unterstützte ihn? Welche Angebote machte die Architektur, um die Frage der religiösen Zuordnung für sich zu entscheiden? Welche zusätzlichen sozialen Aufgaben übernahmen die Orden in der Stadt, etwa durch den Bau oder die Versorgung von Kranken- und Armenhäusern? Das Seminar vermittelt somit auch eine integrative Analyse von Architektur und Stadt. Dies kann als explizite Vorbereitung und Unterstützung von Bachelor- und Masterarbeiten genutzt werden.
Teilnahmebedingungen am Seminar: Übernahme eines Referatsthemas, aktive Mitarbeit sowie verpflichtende Teilnahme an den einführenden Sitzungen
Einführende Literatur:
Baumstark, Reinhold (Hrsg.): Rom in Bayern. Kunst und Spiritualität der ersten Jesuiten. Ausst.-Kat., München 1997.
Bösel, Richard: Jesuitenarchitektur in Italien (1540-1773), Teil 1: Die Baudenkmäler der römischen und der neapolitanischen Ordensprovinz, 2 Bde., Wien 1985.
Stabenow, Jörg: Die Architektur der Barnabiten. Raumkonzept und Identität in den Kirchenbauten eines Ordens der Gegenreformation 1600-1630, Berlin/München 2011.
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. August (ab 12 Uhr) bis zum 18. Oktober (bis 12 Uhr) über CAMPUS. Danach sind An- und Abmeldungen nicht mehr möglich.

Die versierte, eigenständige Nutzung wissenschaftlicher Diskursformen in Wort und Schrift (Produktion und Rezeption) wird stets optimiert und in der Gruppe reflektiert. Die kommunikativen Fähigkeiten werden zudem durch eine vor Originalen geschulte Wahrnehmung auf fortgeschrittenem Niveau ausgebaut. Wissens- und Kompetenzerwerb und die damit einhergehende Kreditierung setzt daher die kontinuierliche aktive Teilnahme am dialogischen Austausch im Plenum voraus.

Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit "nicht ausreichend" bewertet. In CAMPUS erfolgt der Eintrag "nicht bestanden". Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.