Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2019/20

Veranstaltungsnr.: 040642 (Hauptseminar B.A. / M.A.)

Alles Fassade? Ein Blick dahinter

Dozent/in:
Prof. Dr. Cornelia Jöchner

Zeit:
Mi. 10-12
Raum/Ort:
GABF 04/711
Beginn:
16.10.2019
Workload:
60 h, 120 h, 240 h oder 300 h
Kreditpunkte:
2, 4, 8 oder 10 CP

Inhalte:
Fassade kennen wir alle – nicht nur architektonisch, sondern auch sprachlich: Wendungen wie „eine Fassade zeigen“ oder „das ist alles nur Fassade“ weisen darauf hin, dass die Fassade als oberste Schicht des Bauwerks stets auch einen dekorativen Charakter hat. Mit dieser obersten Schicht ist also die Aufgabe verknüpft, das dahinter liegende Bauwerk mindestens zu bedecken, möglicherweise zu verhüllen oder sogar zu kaschieren. Genau diese verschiedenen Funktionsweisen von Fassade untersucht das Seminar, das sich hierfür Wohn- und öffentliche Gebäude von der Frühen Neuzeit bis heute vornimmt.
Architektonische Fassaden erfahren derzeit neue Aufmerksamkeit, wenn sie Orte temporärer Installationen werden. Neben solch künstlerischen Interventionen gibt es ein gestiegenes Interesse an Oberflächen, das nicht nur aus der Architektur kommt, sondern auch aus Bereichen der technischen Produktion, der Medizin und Biologie. Die Fassade, in der Moderne als „Maske“ kritisiert, kehrt seit den späten 1970er Jahren zurück: teils als ökologischer Zwischenraum, der zur Nachhaltigkeit des Bauwerks beitragen soll, teils als Zeichenträger unterschiedlicher Medien (Licht) und Botschaften (Reklame), zuletzt als Interface.
Beides hat eine lange Tradition: Die Schaffung einer privilegierten Seite als Schauseite (Alberti: frons aedis) des Hauses machte diese zu Beginn der Neuzeit zu einem Medium des Austauschs, mit dem innere Strukturen des Hauses nach außen gebracht wurden, wobei es teilweise zu ‚Korrekturen‘ kam, so dass auch fiktive Bilder des Hauses nach außen gebracht wurden. Mit Einsatz der Säulenordnungen visualisierte die Fassade die tektonischen Kräfte des Gebäudes, interagierte dabei aber auch zunehmend selbst mit dem Außenraum. Im ausgehenden 16. Jahrhundert öffnete sich die Wand, es entstanden neuartige Zwischenzonen, die sich auf den öffentlichen Raum bezogen. Durch geschoßübergreifende Strukturen wurde das Haus ein Objekt umfassender architektonischer Kompositionen, gegen die erst das späte 18. Jahrhundert den ganzen Baukörper setzte. Das Hauptseminar führt ein in die Besonderheit der „öffentlichen Wand“ und zeigt deren Wandelbarkeit am Beispiel des Profanbaus.

Teilnahmevoraussetzungen: Regelmäßige und aktive Teilnahme, Übernahme eines Referats. Die Vergabe der Referatsthemen erfolgt in der ersten Sitzung. Die aktive Teilnahme an den einführenden Seminarterminen ist obligatorisch!
Einführende Literatur:
Arburg, Hans-Georg von: Alles Fassade. ‚Oberfläche‘ in deutschsprachigen Architektur- und Literaturästhetik 1780-1870, München 2008

Arch +, 108 (August) 1991, Themenheft: Die Fassade

Kemp, Wolfgang: Architektur analysieren. Eine Einführung in acht Kapiteln, München 2009 (Kap. Die Fassade, S. 219-264)

Krajewski, Markus: Bauformen des Gewissens. Über Fassaden deutscher Nachkriegsarchitektur, Stuttgart 2016

Neumeyer, Fritz: Die öffentliche Seite der Architektur. Wände mit städtischem Bewusstsein, in: Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 11, S. 133-156

Peter Stephan: Der vergessene Raum. Die Dritte Dimension in der Fassadenarchitektur der frühen Neuzeit, Regensburg 2009
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. August (ab 12 Uhr) bis zum 18. Oktober (bis 12 Uhr) über CAMPUS. Danach sind An- und Abmeldungen nicht mehr möglich.

Die versierte, eigenständige Nutzung wissenschaftlicher Diskursformen in Wort und Schrift (Produktion und Rezeption) wird stets optimiert und in der Gruppe reflektiert. Die kommunikativen Fähigkeiten werden zudem durch eine vor Originalen geschulte Wahrnehmung auf fortgeschrittenem Niveau ausgebaut. Wissens- und Kompetenzerwerb und die damit einhergehende Kreditierung setzt daher die kontinuierliche aktive Teilnahme am dialogischen Austausch im Plenum voraus.

Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit "nicht ausreichend" bewertet. In CAMPUS erfolgt der Eintrag "nicht bestanden". Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.