Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2019/20

Veranstaltungsnr.: 040643 (Hauptseminar B.A. / M.A.)

Das Bürohaus der Moderne

Dozent/in:
Prof. Dr. Cornelia Jöchner
Dr. Yvonne Northemann

Zeit:
Di. 16-18
Raum/Ort:
GA 03/49
Beginn:
15.10.2019
Workload:
60 h, 120 h, 240 h oder 300 h
Kreditpunkte:
2, 4, 8 oder 10 CP

Inhalte:
Bürobauten prägten im 19. und 20. Jahrhundert eine neuartige architektonische Gattung aus, die einerseits das Stadtbild beherrschte, andererseits die Arbeitswelt zu strukturieren begann. Hatte es zuvor gemischte Geschäftshäuser gegeben, in denen sich sowohl der Warenverkauf als auch Handelsaktivitäten vollzogen, so entsprach der neue Bautyp dem gestiegenen Anteil an Verwaltungstätigkeiten. Die Tendenz zu einer monofunktionalen Nutzung entwickelte sich in England und den USA rascher als auf dem europäischen Kontinent, wo Geschäftshäuser traditionell eine gemischte Nutzung aufwiesen. Eine wichtige bautechnische Voraussetzung für die Herausbildung eines eigenen Typus‘ des Bürohauses war die Anwendung innerer Eisenskelette, die konstruktive Aufgaben übernahmen. Anfangs auf den dreigeschossigen Palazzo-Vorbild angewandt, entstanden teilweise ganze Fassaden aus Gusseisen, die mit Glas kombiniert wurden. In den Innenstädten Nordamerikas ging der Trend aufgrund hoher Grundstückspreise hin zu „Wolkenkratzern“, mit denen doppelt so hoch wie bisher gebaut werden konnte. Dies setzte eine Konzentration in Gang, die spätestens in den 1920er Jahren auch in Mitteleuropa zur City-Bildung mit reinen Bürohausvierteln führte.

Derartige Hochhäuser setzten eine vertikale Erschließung durch Aufzüge voraus, so dass mit dem Bürohaus auch eine innere Entwicklung des Gebäudes einherging, die – neben der städtebaulichen Bedeutung und Außenarchitektur − ein weiterer Schwerpunkt des Seminars ist. Angesichts der Notwendigkeit einer möglichst starken Durchlichtung wurde die Stahlskelettkonstruktion für Bürohochhäuser besonders attraktiv: Mit Hilfe des Rastersystems konnte nach innen Raum an Raum aneinandergebunden werden, während man nach außen die Fassade mit Mauerwerk verkleidete. Auch wenn sie im frühen 20. Jahrhundert nicht überall angewandt wurde, so initiierte die Stahlskelettbauweise das Ideal eines rationalen Raumprogramms, das auch die Architektur in traditioneller Mauerbauweise veränderte: Die innere Struktur des Bürohauses sollte von nun an möglichst dem durch die Fassade vorgegebenen Raster entsprechen. Umgekehrt entstand eine auf wissenschaftlicher Basis beruhende Untersuchung von Arbeitsvorgängen in Büros, die einen transparenten, reibungslosen und möglichst schnellen „work flow“ zum Ziel hatten. Das Büro war damit auch ein innenarchitektonischer Gegenstand geworden, der als zentraler Handlungsort von Arbeit stets in funktionaler Beziehung zu den anderen Raumteilen im Gebäude konzipiert wurde.

Das Seminar untersucht die Ausprägung des Bautypus‘ Bürohaus anhand ausgewählter internationaler Beispiele zwischen dem späten 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre und setzt diese in Vergleich zueinander. Im Mittelpunkt stehen die städtebauliche Bedeutung der einzelnen Bauten durch eine monumentale Außenerscheinung sowie die innere Struktur, die modernisierte, funktionale Arbeitsabläufe gewährleisten sollte.

Teilnahmevoraussetzungen: Regelmäßige und aktive Teilnahme, Übernahme eines Referats. Die Vergabe der Referatsthemen erfolgt in der ersten Sitzung. Die aktive Teilnahme an den einführenden Seminarterminen ist obligatorisch.
Einführende Literatur:
Behne, Adolf: Der moderne Zweckbau, Berlin [u.a.] 1923.

Birkmire, W.: Architectural Iron and Steel, New York 189.

Ders.: Skeleton Construction in Buildings, New York 1893.

Cachola Schmal, Peter/ Voigt, Wolfgang: Immer eine große Linie. Das I.G. Farbenindustrie in Frankfurt am Main und andere Verwaltungsgebäude, in: Ausst.Kat. Hans Poelzig: 1869 bis 1936. Architekt, Lehrer, Künstler, hg. von Wolfgang Pehnt und Matthias Schirren, München 2007, S. 112-125.

Chamrad, Evelyn/ Windorf, Wiebke: Der „Schrei nach dem Turmhaus“. Gebaute und geplante Hochhäuser der 20er Jahre in Düsseldorf, in: Die Gesolei und die Düsseldorfer Architektur der 20er Jahre, hg. von Jürgen Wiener, Köln 2001, S. 84-101.

Hesse, Frank Pieter (Hrsg.): Stadtentwicklung zur Moderne. Die Entstehung großstädtischer Hafen- und Bürohausquartiere (=ICOMOS. Hefte des deutschen Nationalkomitees, LIV), Berlin 2012.

Neumann, Dietrich: „Die Wolkenkratzer kommen!“ Deutsche Hochhäuser der zwanziger Jahre. Debatten – Projekte – Bauten, Braunschweig 1995.

Osborn, Max: Ein neuer Typus des Bureaugebäudes, in: Bauwelt 4 (1913), Bd. 1, 6, S. 9-12.

Randall, J. D.: The Art of Office Buildings, Springfield 1972.

Schlüter, Brigitte Ingeborg: ’Ein neuer Typus des Bureaugebäudes’, in: Die Moderne im Rheinland. Ihre Förderung und Durchsetzung in Literatur, Theater, Musik, Architektur, angewandter und bildender Kunst 1900-1933. Vorträge des Interdisziplinären Arbeitskreises zur Erforschung der Moderne im Rheinland, hg. von Dieter Breuer, Köln 1994, S. 279-297.

Seeger, Hermann: Bürohäuser der privaten Wirtschaft (Handbuch der Architektur. Teil 4, Entwerfen, Anlage und Einrichtung der Gebäude; 7,1, a), Leipzig 1933, S. 7-43.

Sullivan, Louis H.: The Tall Office Building Artistically Considered, in: Lippincott’s Magazine, March 1896.
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. August (ab 12 Uhr) bis zum 18. Oktober (bis 12 Uhr) über CAMPUS. Danach sind An- und Abmeldungen nicht mehr möglich.

Die versierte, eigenständige Nutzung wissenschaftlicher Diskursformen in Wort und Schrift (Produktion und Rezeption) wird stets optimiert und in der Gruppe reflektiert. Die kommunikativen Fähigkeiten werden zudem durch eine vor Originalen geschulte Wahrnehmung auf fortgeschrittenem Niveau ausgebaut. Wissens- und Kompetenzerwerb und die damit einhergehende Kreditierung setzt daher die kontinuierliche aktive Teilnahme am dialogischen Austausch im Plenum voraus.

Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit "nicht ausreichend" bewertet. In CAMPUS erfolgt der Eintrag "nicht bestanden". Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.