Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2019/20

Veranstaltungsnr.: 1 (Angebot der Folkwang Universität der Künste)

Fotografie als Ware und Währung

Dozent/in:
Matthias Gründig, M.A.

Zeit:
Do. 16-17.30
Raum/Ort:
2.15
Beginn:
17.10.2019
Workload:
60 h oder 240 h
Kreditpunkte:
2 oder 8 CP

Inhalte:
„In diesen kläglichen Tagen", schrieb Charles Baudelaire im Jahr 1859, „ist eine neue Industrie hervorgetreten, die nicht wenig dazu beigetragen hat, die Dummheit in ihrem Glauben zu bestärken und auch den letzten Rest an göttlicher Inspiration im französischen Geist zu beseitigen." Seine harsch formulierte Kritik am Medium der Fotografie, das sich gerade zu jener Zeit zu einer Industrie zu formieren beginnt, zielte dabei nicht allein auf dessen sinnliche – geschweige denn künstlerische – Qualitäten (in direkter Konkurrenz zur Malerei etwa), sondern positioniert diese in einem breiten gesellschaftlichen Kontext, vor allem jenem der Warenwirtschaft. Gegenständlich verhandelt er den ‚Wert' der Fotografie zwischen Kunst und Wissenschaft und lenkt den Blick so einerseits auf große sozio- und marktlogische Fragen, fordert und fördert damit andererseits aber auch ein konzentriertes Nachdenken über Fotografie als Ware, das heißt als Produkt komplex organisierter Arbeitsprozesse und dreidimensionales Tauschobjekt.
Im Seminar erarbeiten wir über relevante Waren- bzw. Arbeitswerttheorien sowie Texte aus der Geschichte der Fotografie ein Instrumentarium, das es ermöglichen soll, den Doppelcharakter fotografischer Bilder als Ware und Währung adäquat zu fokussieren und damit fotografischen Phänomenen als nicht nur individuell-ästhetischen, sondern immer schon gesellschaftlichen Arbeits- und Tauschpraktiken zu begegnen. In Zeiten, in denen Fotografien auf dem Kunstmarkt Millionenpreise erzielen, zugleich aber auch millionenfach in (digitale) Arbeitsprozesse eingebunden sind, die sich kaum mehr als solche identifizieren lassen, möchte das Seminar einen Zugang zu Fotokritik als Ideologiekritik legen, ohne vorschnell in Baudelaires Abgesang einzustimmen. „Wenn in der Ideologie die Menschen und ihre Verhältnisse wie in einer Camera obscura auf den Kopf gestellt erscheinen", heißt es bei seinem Zeitgenossen Karl Marx, „so geht dies Phänomen eben so sehr aus ihrem historischen Lebensprozeß hervor, wie die Umdrehung der Gegenstände auf der Netzhaut aus ihrem unmittelbar physischen."

Leistungsnachweis: Hausarbeit
Einführende Literatur:
Die Literatur wird zu Beginn des Seminars in Form eines Readers zur Verfügung gestellt. Zur Einführung: Steve Edwards: The Making of English Photography. Allegories, University Park 2006. Navigationen 16.2 (2016): Medienwissenschaft und Kapitalismuskritik, hg. von Jens Schröter und Till A. Heilmann. PhotoResearcher Nr. 25 (2016): Photography in the Marketplace, hg. von Kelley Wilder. Mazie M. Harris. Paper Promises, Los Angeles 2018, Kapitel: Face Value. Zeitschrift für Medienwissenschaft Nr. 10 (2018): Medienökonomien.
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Seit dem Wintersemester 2016/17 besteht eine Kooperation zwischen den beiden Master-Studiengängen „Photography Studies and Practice/Research" der Folkwang Universität der Künste sowie dem Master-Studiengang „Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart" der Ruhr-Universität Bochum (RUB) zur gegenseitigen Anerkennung von Lehrveranstaltungen. Diese Kooperation soll es den Studierenden beider Universitäten ermöglichen, auf unbürokratischem Weg an der jeweils anderen Hochschulen Kurse zu belegen und Leistungsnachweise im Umfang von max. 10 CP zu erwerben. Bei Interesse wenden Sie sich bitte per Mail direkt an die jeweiligen Dozent/innen, um sich auf diesem Weg anzumelden. Eine nicht kostenpflichtige Anmeldung als Gasthörer/in (nicht Zweithörer/in!) ist bei Cornelia Hohmann erforderlich (cornelia.hohmann@folkwang-uni.de). Die Anerkennung der erworbenen Leistungsnachweise erfolgt durch die Studienberatung.